Klosterbrauereien und Klosterbiere ohne Klöster?

Die Entstehung einer Markenbezeichnung, über die sich manche wundern
Die renommierte Frankfurter Allgemeine konkretisierte in einem Artikel vom 18. Mai 2023 zum „Streit um Benediktiner-Bier“ kurz nach der Markenübernahme durch die Bitburger Braugruppe, zu der die 1854 begründete „Licher Privatbrauerei Jhring-Melchior GmbH“ im mittelhessischen Lich am Hardtberg zählt, am Beispiel des Benediktinerklosters Ettal den fortschreitenden Entfremdungsprozess von Klosterbieren und Stiftsbrauereien gegenüber ihren 
Gründungs- und Hausklöstern an. 
Das zentrale Problem lautete: „Darf ein Bier, das in Hessen gebraut wird, mit dem Bild eines bayrischen Klosters werben?“ Vorausgegangen war eine Klage der „Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs“ mit Sitz in Bad Homburg als einem Verein, dem mittlerweile rund 800 Verbände und 1200 Unternehmen angehören, wegen Herkunftstäuschung und Wettbewerbsverzerrung. Geführt wurde die Klage vor dem Landgericht München I. als der für Oberbayern zuständigen Instanz. Der Vorwurf lautete, die Licher Brauerei erwecke den Eindruck, dass Biere der Benediktiner Weißbier GmbH – es handelt sich um eine Kooperation der 1609 gegründeten Ettaler Klosterbrauerei und der Bittburger Braugruppe – noch am Klosterstandort mit dem „kristallklaren Wasser“ der Ammergauer Bergwelt gebraut und abgefüllt werden. Mittlerweile ist zwar dieser Konflikt gütlich beigelegt, doch bleibt die Frage, wieviel Kloster denn auch in anderen bayerischen und deutschen Klosterbrauereien noch eingebraut ist.
Auch in Neresheim wird heute wieder Klosterbier angeboten, wie das Härtsfelder Klosterbier braun. Es wird „im Auftrag des weltbekannten Klosters von der lokal wohlbekannten Brauerei Hald in Dunstelkingen“ gebraut. Die notwendige Nähe des Braustandorts zum aktiven Kloster – mit dem öffentlichen Verkehr sind es 32 Minuten Fahrzeit – ist hier gegeben, andernorts leider nicht mehr. Der Vortrag gibt konkrete Antworten auf das Problem süddeutscher „Klosterbrauereien ohne Klöster“.

Keine Anmeldung erforderlich.

1 Abend, 06.10.2026
Dienstag, 18:30 - 20:30 Uhr

1 Termin(e)
Di 06.10.2026 18:30 - 20:30 Uhr Neresheim, Rathaus
Prof. Dr. Phil. Wolfgang B. Wüst
26H100V02N
 
Kostenfrei